Flexibel bleiben: Wann sich ein Handyvertrag ohne Laufzeit lohnt
Die meisten Mobilfunkverträge in Deutschland laufen 24 Monate und verlängern sich danach automatisch. Ein Vertrag ohne Laufzeit lässt sich dagegen monatlich kündigen. Mit einem monatlich kündbaren Vertrag können Sie jederzeit wechseln, wenn Netz, Preis oder Service nicht stimmen. Dafür zahlen Sie oft etwas mehr als bei einem Tarif mit langer Bindung. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt von Ihrer Lebenssituation ab.
Was die gesetzlichen Regeln erlauben
Das Telekommunikationsgesetz (TKG) begrenzt die maximale Mindestlaufzeit für Telefon- und Internetverträge auf 24 Monate. Für Verträge, die seit dem 1. Dezember 2021 abgeschlossen wurden, gilt eine wichtige Neuerung: Nach Ablauf der Mindestlaufzeit können Sie mit einer Frist von höchstens einem Monat kündigen. Vor der TKG-Novelle waren Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten üblich, und für Altverträge, die vor dem 1. März 2022 abgeschlossen wurden, gelten diese längeren Fristen weiterhin.
Was viele übersehen: Wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch. Bei Verträgen mit 24-monatiger Laufzeit ist die Verlängerung auf zwölf Monate begrenzt, danach können Sie jederzeit mit einem Monat Frist kündigen. Bei neueren Verträgen verlängert sich die Laufzeit nach Ablauf der Mindestzeit monatlich, sodass Sie nach der ersten Verlängerung sofort mit einem Monat Frist aussteigen können. Halten Sie den Kündigungstermin im Blick, sonst sitzen Sie die Verlängerung ab.
Wann sich die monatliche Kündigung lohnt
Ein Vertrag ohne Laufzeit zahlt sich aus, wenn sich Ihre Situation kurzfristig ändern kann. Typische Beispiele sind Studierende, die nach dem Abschluss in eine andere Stadt ziehen und das Netz wechseln möchten, oder Berufstätige, die für ein Projekt ins Ausland gehen und ihren Tarif pausieren oder kündigen wollen. Auch wer häufig das neueste Smartphone haben möchte, profitiert: Statt sich für zwei Jahre an ein Gerät zu binden, können Sie bei einem flexiblen Tarif jederzeit auf ein neues Modell wechseln, ohne eine Vertragsstrafe zu zahlen.
Ein weiterer Fall ist die Unsicherheit über die eigene finanzielle Situation. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie den Tarif in sechs Monaten noch bezahlen können oder wollen, vermeiden Sie mit einem monatlich kündbaren Vertrag das Risiko, für einen Service zu zahlen, den Sie nicht mehr nutzen. Dasselbe gilt, wenn Sie mit Ihrem aktuellen Anbieter unzufrieden sind und nicht abwarten möchten, bis die Mindestlaufzeit abläuft.
Wann ein fester Vertrag die bessere Wahl ist
Flexibilität kostet mehr. Anbieter kalkulieren die Freiheit der monatlichen Kündigung in den Preis ein, weil sie das Risiko tragen, dass Sie nach einem Monat wieder gehen. Wer bereit ist, sich für 24 Monate zu binden, bekommt in der Regel deutlich günstigere Konditionen. Ein Beispiel aus den Tarifempfehlungen von Finanztip: Ein Tarif mit 20 Gigabyte Datenvolumen kostet bei Yourfone mit 24-monatiger Laufzeit 6,99 Euro im Monat, während ein vergleichbarer Prepaid-Tarif ohne Bindung mit 25 Gigabyte bei 9,77 Euro liegt.
Auch wer ein neues Smartphone über den Vertrag finanziert, ist mit einer festen Laufzeit meist besser beraten. Die Geräte-Raten werden über die Vertragslaufzeit verteilt, und ein vorzeitiger Ausstieg bedeutet, dass Sie den Restbetrag auf einmal zahlen müssen. Wenn Sie Ihr Handy separat kaufen und nur eine SIM-Karte brauchen, ist die Rechnung einfacher: Dann zählt allein der Vergleich der monatlichen Kosten.
Prepaid als praktische Alternative
Wer maximale Flexibilität sucht, findet sie bei Prepaid-Tarifen. Bei Prepaid zahlen Sie im Voraus, es gibt keine Mindestlaufzeit und keine automatische Verlängerung, und Sie laden einfach Guthaben auf, wenn Sie es brauchen. Die Netzqualität ist dabei kein Nachteil. Auch die günstigen Discounter nutzen die Netze der großen Anbieter. Sie müssen also nicht auf Telekom, Vodafone oder O2 verzichten, nur weil Sie keinen Vertrag mit Laufzeit abschließen.
Finanztip empfiehlt für intensive Nutzer den Ja!Mobil Prepaid Smart mit 25 Gigabyte Datenvolumen für 9,77 Euro im Monat im Telekom-Netz. Für leichte Nutzer reicht der Otelo Smart S mit 2 Gigabyte für 5,38 Euro im Monat im Vodafone-Netz. Beide Tarife sind monatlich kündbar, weil Prepaid per Definition keine feste Laufzeit kennt. Der Nachteil von Prepaid liegt woanders: Sie müssen das Guthaben regelmäßig aufladen, sonst verlieren Sie Ihre Rufnummer, und bei einigen Anbietern sind Auslandsgespräche oder Roaming teurer als bei Vertragstarifen.
Worauf Sie beim Wechsel achten sollten
Bevor Sie zu einem flexiblen Tarif wechseln, prüfen Sie die Kündigungsfrist Ihres aktuellen Vertrags. Bei Altverträgen, die vor dem 1. März 2022 abgeschlossen wurden, kann die Frist bis zu drei Monate betragen. Sie müssen also früh genug kündigen, um nicht in die automatische Verlängerung zu laufen. Die Kündigung können Sie inzwischen bequem per E-Mail oder über ein Online-Formular schicken. Der Anbieter muss den Zugang bestätigen.
Ein zweiter Punkt betrifft Preiserhöhungen während der Vertragslaufzeit. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat gegen Vodafone geklagt, weil der Anbieter seit Mai 2023 die Preise für Bestandskunden erhöht hat. Solche Erhöhungen sind rechtlich umstritten, aber bis zu einer gerichtlichen Entscheidung zahlen Sie möglicherweise mehr, ohne sofort aus dem Vertrag zu kommen. Bei einem Vertrag ohne Laufzeit wäre dieses Problem kleiner: Sie könnten einfach kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln.
Ein dritter Aspekt ist die vertraglich zugesicherte Geschwindigkeit. Seit der TKG-Novelle haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf mindestens 15 Mbit/s im Download und 5 Mbit/s im Upload. Wenn Ihr Anbieter diese Werte dauerhaft nicht erreicht, können Sie den Preis mindern oder den Vertrag außerordentlich kündigen. Das gilt unabhängig von der Laufzeit, aber bei einem flexiblen Vertrag sparen Sie sich den Streit: Sie wechseln einfach.