Warum ist LTE nicht überall gleich schnell?
LTE, auch 4G genannt, ist der Mobilfunkstandard für mobiles Internet in Deutschland. Beim Surfen, Streamen oder Chatten mit dem Smartphone läuft die Verbindung fast immer über LTE oder die Weiterentwicklung LTE-Advanced, die als 4G+ angezeigt wird.
Wie schnell Sie tatsächlich surfen, hängt von drei Faktoren ab: vom Netzausbau am Standort, von den Frequenzen, die der Anbieter dort nutzt, und vom Tarif. Deshalb ist LTE an einem Ort schnell und wenige Kilometer weiter deutlich langsamer. Zwei Personen mit demselben Smartphone erleben unterschiedliche Geschwindigkeiten.
Netzausbau und Funklöcher
Der wichtigste Grund für Geschwindigkeitsunterschiede ist die Infrastruktur. LTE-Signale werden von Basisstationen ausgesendet, die je nach Region unterschiedlich dicht aufgestellt sind. In Großstädten stehen viele Sendemasten nah beieinander, sodass jeder Nutzer eine gute Verbindung bekommt. Auf dem Land, entlang von Autobahnen oder in dünn besiedelten Gebieten sind die Abstände zwischen den Stationen größer. Je weiter Sie von der nächsten Basisstation entfernt sind, desto schwächer wird das Signal und desto langsamer die Datenübertragung.
Außerdem haben die Anbieter ihre Netze unterschiedlich ausgebaut. Die Deutsche Telekom, Vodafone und O2 Telefonica betreiben jeweils eigene Netze, und die Abdeckung unterscheidet sich regional. In einer Region bietet Telekom hervorragenden Empfang, während Vodafone dort Lücken hat. Anderswo ist es umgekehrt. Wenn Sie also an einem Ort langsames LTE haben, liegt das häufig daran, dass Ihr Anbieter dort schlicht weniger Sendemasten betreibt als ein Konkurrent.
Frequenzen bestimmen Reichweite und Geschwindigkeit
LTE nutzt verschiedene Frequenzbänder, und jedes Band hat andere Eigenschaften. Niedrige Frequenzen dringen gut durch Wände und Gebäude und erreichen große Entfernungen. Sie eignen sich daher für die Flächenabdeckung auf dem Land und in Gebäuden. Höhere Frequenzen übertragen Daten schneller, haben aber eine geringere Reichweite und kommen schlechter durch Hindernisse. In Städten, wo viele Nutzer gleichzeitig online sind, setzen Anbieter deshalb oft auf die höheren Bänder, um mehr Kapazität bereitzustellen.
Ihr Smartphone wählt automatisch das Band, das am besten verfügbar ist. Stehen Sie in einem Gebäude, verbindet sich das Gerät oft mit einem niedrigen Frequenzband, das zwar stabil ist, aber weniger Datendurchsatz bietet. Draußen, in Sichtweite zur Basisstation, kann dasselbe Gerät auf ein höheres Band wechseln und deutlich schneller werden. Die Anzeige bleibt in beiden Fällen LTE, obwohl die tatsächliche Geschwindigkeit stark variiert.
Der Tarif begrenzt die Geschwindigkeit
Neben der Technik entscheidet Ihr Vertrag darüber, wie schnell Sie surfen. Viele Tarife begrenzen die maximale LTE-Geschwindigkeit, auch wenn das Netz mehr hergeben würde. Ein günstiger Tarif erlaubt zum Beispiel nur eine niedrigere maximale Geschwindigkeit, während ein teurerer Tarif eine höhere Geschwindigkeit freischaltet. Diese Begrenzung ist im Tarif festgelegt und gilt unabhängig von der Empfangsqualität.
Zusätzlich gibt es die Drosselung nach Verbrauch des Datenvolumens. Wenn Sie das in Ihrem Tarif enthaltene Datenvolumen aufgebraucht haben, reduziert der Anbieter die Geschwindigkeit auf ein niedriges Niveau, oft auf wenige Mbit/s. Das reicht für E-Mail und Nachrichten, aber nicht für flüssiges Video-Streaming. Die Drosselung wird automatisch aktiviert und bleibt bis zum Beginn der nächsten Abrechnungsperiode bestehen, sofern Sie keine kostenpflichtige Zusatzoption buchen.
Gerät und Empfang vor Ort
Auch Ihr Smartphone beeinflusst die Geschwindigkeit. Neuere Geräte unterstützen mehr Frequenzbänder und können mehrere Funkkanäle gleichzeitig bündeln, was als Carrier Aggregation bezeichnet wird. Ein aktuelles Smartphone kann so die Kapazität mehrerer Bänder kombinieren und höhere Geschwindigkeiten erreichen als ein älteres Modell, das nur ein Band nutzt. Wenn Ihr Gerät die von Ihrem Anbieter verwendeten Bänder nicht unterstützt, fällt die Verbindung langsamer aus oder Sie haben an manchen Orten gar keinen Empfang.
Die Position des Geräts spielt ebenfalls eine Rolle. In einem Keller oder in einem Gebäude mit dicken Betonwänden ist das Signal schwächer als am Fenster oder im Freien. Das führt dazu, dass Sie zu Hause langsames LTE haben, während Sie vor der Tür schnelles LTE haben. Ein Wechsel des Standorts innerhalb des Gebäudes, etwa näher zum Fenster, verbessert die Verbindung oft deutlich.
Was Sie selbst prüfen können
Wenn Sie herausfinden möchten, warum Ihr LTE langsam ist, gehen Sie systematisch vor. Prüfen Sie zuerst, ob die Geschwindigkeit an Ihrem aktuellen Standort grundsätzlich niedrig ist, indem Sie einen Speedtest durchführen und das Ergebnis notieren. Bewegen Sie sich dann einige Meter oder gehen Sie ans Fenster und wiederholen Sie den Test. Wenn sich die Geschwindigkeit deutlich verbessert, liegt das Problem am Empfang, nicht am Tarif.
Vergleichen Sie außerdem die Abdeckungskarten der Anbieter für Ihren Wohnort. Die Telekom, Vodafone und O2 Telefonica veröffentlichen auf ihren Websites Karten, die die LTE-Abdeckung zeigen. Diese Karten geben einen guten Überblick, auch wenn sie die tatsächliche Geschwindigkeit an einem konkreten Punkt nicht garantieren. Wenn Ihr Anbieter in Ihrer Region schlechte Abdeckung ausweist, hilft ein Tarifwechsel zu einem Anbieter mit besserem Netz mehr als ein neues Smartphone.
Prüfen Sie schließlich Ihren Tarifvertrag auf die maximale Geschwindigkeit und das enthaltene Datenvolumen. Wenn Sie bereits viel Datenvolumen verbraucht haben und die Drosselung aktiv ist, erklärt das die niedrige Geschwindigkeit. In diesem Fall bringt ein Neustart des Smartphones nichts. Sie müssen auf den Beginn der nächsten Abrechnungsperiode warten oder eine Zusatzoption buchen.