Schlechter Empfang im Haus: Ursachen und Lösungen

Schlechter Mobilfunkempfang in Wohnung, Büro oder Keller hat meist eine von drei Ursachen. Entweder ist die Entfernung zum nächsten Mast zu groß, oder Hindernisse zwischen Mast und Standort blockieren das Signal. Als dritte Möglichkeit kommt eine überlastete Funkzelle infrage.

Prüfen Sie die Abdeckung deshalb genau am Nutzungsort, bevor Sie einen neuen Vertrag abschließen. Für bestehende Verträge gibt es seit Kurzem ein offizielles Messverfahren der Bundesnetzagentur, mit dem Sie die vereinbarte Leistung selbst nachweisen und bei erheblichen Abweichungen eine Minderung oder Sonderkündigung verlangen können.

Warum das Signal im Haus schwach ist

Der wichtigste Faktor ist die Entfernung zum nächsten Mobilfunkmast. Je weiter der Mast entfernt liegt, desto schwächer erreicht das Funksignal Ihr Gerät. In Innenräumen kommen Hindernisse dazu: dicke Wände, Betondecken, Fenster mit Wärmeschutzbeschichtung und sogar dicht belaubte Bäume dämpfen die Funkwellen. Ein Keller liegt unter der Erde und ist dadurch fast vollständig abgeschirmt. Deshalb kommt dort fast immer weniger an als im Erdgeschoss.

Eine zweite Ursache ist die Überlastung des Netzes. Nutzen sehr viele Menschen gleichzeitig dieselbe Funkzelle, etwa bei größeren Veranstaltungen, Messen oder in dicht bebauten Wohnvierteln, wird das mobile Internet spürbar langsamer und Anrufe brechen häufiger ab. Die Funkzelle hat nur eine begrenzte Kapazität, die sie auf alle Nutzer verteilt.

Die vertraglich geschuldete Bandbreite hängt außerdem vom Standort ab. In ländlichen Gebieten liegt die vereinbarte Mindestleistung niedriger als in Städten. Ein Handy, das in der Stadt volle Geschwindigkeit erreicht, kann auf dem Land also dieselbe Datenrate nicht bekommen, obwohl der Vertrag identisch ist.

Netzabdeckung vor dem Vertrag prüfen

Am einfachsten vermeiden Sie ein schlechtes Signal, wenn Sie die Abdeckung vor dem Vertragsabschluss prüfen. Die offiziellen Netzabdeckungskarten der Anbieter zeigen die Versorgung meist im Freien, nicht die Qualität in Gebäuden. Eine zuverlässigere Methode ist der Praxistest. Besorgen Sie sich eine Prepaid-Karte im Netz des gewünschten Anbieters und legen Sie sie in Ihr Handy ein. Messen Sie dann an den Orten, an denen Sie das Gerät am häufigsten nutzen, also in der Wohnung, im Büro und im Keller. Achten Sie dabei auf die Datenrate und darauf, ob Anrufe durchgehen.

Zusätzlich sollten Sie vor der Unterschrift klären, welche Rechte Ihnen nach Vertragsschluss bleiben: Gibt es ein Widerrufsrecht und wie lange läuft es? Kann der Vertrag in der ersten Zeit ohne Begründung zurückgegeben werden? Diese Fragen beantworten Ihnen die Anbieter auf Nachfrage, notieren Sie sich die Antworten schriftlich.

Leistung selbst messen und nachweisen

Die Bundesnetzagentur hat ein Verfahren eingeführt, mit dem Sie als Kunde eine mangelhafte Mobilfunkleistung selbst belegen können. Damit wird ein Recht, das es im Telekommunikationsrecht schon länger gibt, nun auch auf Handyverträge angewendet. Sie führen selbst Messungen durch, um nachzuweisen, dass die tatsächliche Leistung erheblich von der vertraglich vereinbarten Maximalleistung abweicht. Eine erhebliche Abweichung liegt vor, wenn die gemessene Datenrate deutlich unter dem versprochenen Höchstwert bleibt.

Für einen belastbaren Nachweis müssen Sie eine vorgegebene Anzahl von Messungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums durchführen. Die Messungen verteilen sich auf mehrere verschiedene Tage, jeweils mit mehreren Messungen pro Tag. Wie viel Bandbreite der Anbieter leisten muss, richtet sich dabei danach, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen. Gelingt der Nachweis, können Sie gegenüber Ihrem Anbieter eine Minderung der monatlichen Kosten oder eine Sonderkündigung geltend machen.

Wer die vorgegebene Anzahl von Messungen nicht innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraums an mehreren getrennten Tagen absolviert, hat keinen gültigen Nachweis und damit auch keinen Anspruch auf Minderung oder Sonderkündigung. Die Beweislast liegt bei Ihnen. Zudem wissen viele Verbraucher noch nichts von ihrem neuen Recht, weil die Regelung erst seit Kurzem in Kraft ist. Wenn Ihnen ein ungewöhnlich langsames Netz auffällt, lohnt es sich, das Messprotokoll zu führen, bevor Sie sich mit dem Anbieter auseinandersetzen.

Was im Haus gegen schwaches Signal hilft

Unabhängig vom Vertrag gibt es Mittel, die das Signal in Innenräumen verbessern. Viele Anbieter unterstützen WLAN-Anrufe, auch VoWLAN genannt. Dabei läuft das Gespräch über Ihr Heimnetz statt über das Mobilfunknetz, vorausgesetzt, Ihr Handy und der Tarif beherrschen die Funktion. Das lässt sich meist in den Telefon-Einstellungen des Geräts einrichten. Die Verbindung ist dann so gut wie Ihr WLAN zu Hause, ein Problem im Keller mit schwachem Router-Empfang bleibt aber bestehen.

Für eine bessere Ausleuchtung hilft es, den Router zentral und möglichst hoch zu platzieren. Falls der Keller das Ziel ist, kann ein zusätzlicher WLAN-Zugangspunkt mit einem LAN-Kabel vom Router das Signal dorthin bringen. Ein Mobilfunk-Repeater, also ein Verstärker, der das Außensignal ins Haus holt, darf in Deutschland nur mit Genehmigung der Bundesnetzagentur betrieben werden. Nicht zugelassene Geräte können Störungen im gesamten Funknetz verursachen und sollten Sie meiden.

Da die drei Netze in Deutschland unterschiedlich ausgebaut sind, kann ein Anbieterwechsel helfen. Ein Netz, das am Stadtrand schwache Abdeckung bietet, liefert im Nachbarort möglicherweise volle Bandbreite. Der Prepaid-Test vor dem Vertrag ist auch bei einem bevorstehenden Anbieterwechsel der richtige erste Schritt.

Wann eine Sonderkündigung möglich ist

Eine Sonderkündigung oder Minderung steht Ihnen nur zu, wenn die Messungen vorschriftsmäßig durchgeführt wurden und die Abweichung nachweislich erheblich ist. Haben Sie die Messungen abgebrochen oder die Fristen nicht eingehalten, bleibt der Vertrag bestehen. Berücksichtigen Sie außerdem Ihren Standort: In einer Region, in der der Anbieter nur eine niedrige Mindestleistung schuldet, reicht eine geringe Bandbreite nicht für eine Reklamation, auch wenn sie im Vergleich zur Stadt mager wirkt. Prüfen Sie vor der Reklamation, welche Leistung an Ihrem Wohnort überhaupt vertraglich geschuldet ist. Dann wissen Sie, ob sich der Aufwand lohnt.