Prepaid oder Laufzeitvertrag: Was passt zu Ihnen?

Wer ein neues Handy oder eine neue SIM-Karte sucht, wählt zwischen Prepaid und Laufzeitvertrag. Bei Prepaid zahlen Sie Guthaben im Voraus ein und verbrauchen es nach und nach für Telefonate, SMS und Daten. Beim Laufzeitvertrag verpflichten Sie sich für meist 24 Monate und zahlen monatlich einen festen Beitrag.

Beide laufen in denselben Mobilfunknetzen und bieten ähnliche Leistungen wie Allnet-Flats (Flatrates für Telefonate in alle deutschen Netze) und Datenvolumen. Drei Punkte entscheiden: wie viel Sie Ihr Handy tatsächlich nutzen, ob Sie ein neues Gerät günstig vom Anbieter möchten und ob Sie monatliche Fixkosten fest einplanen können.

Wie Prepaid funktioniert

Prepaid funktioniert nach dem Prinzip „erst aufladen, dann nutzen“. Sie laden über eine App, im Online-Portal oder an der Kasse Geld auf die SIM-Karte. Für jeden Anruf, jede SMS und jedes Megabyte wird das Guthaben reduziert. Viele Anbieter verkaufen inzwischen aber Pakete statt eines reinen Pay-per-Use-Modells: Für einen festen Betrag, meist 28 Tage oder einen Monat, erhalten Sie eine Allnet-Flat plus ein Datenkontingent. Ist das Paket verbraucht oder abgelaufen und Sie laden kein neues Guthaben auf, bricht die Verbindung ab. Diese Hürde ist ein bewusster Teil des Konzepts: Wer nicht auflädt, verbraucht auch nichts.

Vor dem ersten Aufladen prüft kein Anbieter Ihre Kreditwürdigkeit, in Deutschland meist über die Schufa. Deshalb erhalten auch Personen mit negativen Einträgen oder ohne festes Einkommen einen funktionierenden Anschluss. Es gibt keine Monatsrechnungen, die Sie später überraschen, weil nie ein Kredit gewährt wird. Die Gegenleistung: Sie müssen sich selbst um das Aufladen kümmern. Zusätzlich kostet bei Prepaid jede Minute und jedes Gigabyte oft mehr als in vergleichbaren Vertragstarifen. Wer lange nicht auflädt, riskiert zudem, dass der Anbieter die Rufnummer deaktiviert.

Was ein Laufzeitvertrag leistet

Ein Laufzeitvertrag gibt Ihnen für eine monatliche Gebühr ein festes Paket aus Allnet-Flat und Datenvolumen, meist mit mehr Datenvolumen pro Euro als vergleichbare Prepaid-Optionen. Viele Anbieter verknüpfen den Vertrag mit einem subventionierten Handy: Das Gerät zahlen Sie in Raten, die in den Monatsbeitrag eingerechnet sind. Dafür prüft der Anbieter Ihre Bonität und verlangt bei schlechter Kreditwürdigkeit einen Aufpreis oder verzichtet auf die Gerätefinanzierung.

Seit der Reform des Telekommunikationsgesetzes gelten klare Grenzen: Die Mindestlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen, die Kündigungsfrist höchstens einen Monat. Kündigen Sie nicht rechtzeitig, verlängert sich der Vertrag nicht mehr um ein Jahr, sondern nur noch um einen Monat. Trotzdem bleibt die Bindung ein Nachteil: Sie sind an Tarif und Anbieter gebunden, auch wenn sich Ihr Bedarf ändert oder ein günstigeres Angebot auftaucht. Wer häufig umzieht, ins Ausland reist oder sein Nutzungsverhalten nicht vorhersieht, stößt hier schneller an Grenzen als bei Prepaid.

So rechnen Sie die Gesamtkosten

Für Gelegenheitsnutzer ist Prepaid fast immer günstiger, weil Sie nur für das zahlen, was Sie wirklich verbrauchen. Ein aktuelles Beispiel zeigt aber: Auch vermeintlich günstige Prepaid-Tarife können nachträglich teurer werden. Ein Tarif mit 12 Gigabyte Daten, Telefon-Flat und eSIM (einer digitalen SIM-Karte ohne Plastikkarte) kostet für jeweils 28 Tage 2,79 Euro, im Schnitt rund 3,02 Euro pro Monat. Nach 24 Monaten steigt dieser Preis auf 10,82 Euro pro Monat. Solche Sprünge nach der Einführungsphase sind bei preiswerten Tarifen üblich. Beim Vergleich müssen Sie deshalb immer die Gesamtkosten über die gesamte geplante Nutzungsdauer rechnen, nicht nur den ersten Monat.

Umgekehrt kann sich ein Vertrag rechnen, wenn Sie regelmäßig große Datenmengen verbrauchen oder ohnehin ein neues Handy kaufen würden. Rechnen Sie dann zwei Szenarien durch: die Gesamtkosten des Vertrags inklusive Geräteraten und die Gesamtkosten aus Prepaid-Tarif plus separat gekauftem Handy. Achten Sie zusätzlich auf das Kleingedruckte. Wenn das Datenvolumen erschöpft ist, drosseln viele Anbieter die Geschwindigkeit, andere verkaufen Zusatzpakete. Und prüfen Sie, ob sich der Tarif nach der Mindestlaufzeit automatisch ändert oder verteuert.

Für wen sich Prepaid lohnt

Prepaid passt in vier typische Alltagssituationen besser als ein Vertrag.

Bei Kindern und Jugendlichen sorgt Prepaid für eine natürliche Kostenobergrenze: Mehr als das aufgeladene Guthaben ist nicht auszugeben, eine hohe Monatsrechnung gibt es nicht. Eltern kontrollieren das Guthaben und müssen keine Kreditwürdigkeitsprüfung für das Kind einleiten.

Gelegenheitsnutzer, die selten telefonieren und unterwegs wenig surfen, zahlen mit Prepaid nur die tatsächlich genutzten Leistungen. Ein fester Monatsbeitrag lohnt sich erst, wenn Ihr Verbrauch regelmäßig hoch genug ist, dass das Paket des Vertrags tatsächlich ausgeschöpft wird.

Menschen mit schwacher Bonität oder ohne festes Einkommen erhalten bei Prepaid einen Anschluss ohne Prüfung ihrer Zahlungsfähigkeit. Ein Vertrag scheitert in diesen Fällen oft an der Schufa-Auskunft oder wird nur mit einem Aufpreis angeboten.

Und wer gern wechselt, findet bei Prepaid keine Hürden: Ohne Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist können Sie jeden Monat zu einem anderen Anbieter wechseln und dabei meist Ihre Rufnummer mitnehmen.

So finden Sie den passenden Tarif

Bevor Sie einen Tarif unterschreiben, sammeln Sie Ihre eigenen Verbrauchszahlen. Im Handy finden Sie in den Einstellungen unter Mobilfunk oder Datennutzung den Verbrauch der letzten Monate. Notieren Sie, wie viele Minuten Sie telefonieren und wie viele Gigabyte Sie pro Monat verbrauchen. Auf dieser Grundlage funktioniert der Vergleich:

  • Rechnen Sie die Prepaid-Kosten für die nächsten 24 Monate durch, inklusive aller anstehenden Preisänderungen.
  • Rechnen Sie einen Vertrag inklusive möglicher Geräteraten für dieselbe Laufzeit durch.
  • Prüfen Sie Kündigungsfrist und automatische Verlängerung, nicht nur den Monatsbetrag.
  • Fragen Sie sich, ob Sie monatliche Fixkosten sicher stemmen können und ob eine lange Bindung für Sie ein Problem darstellt.

Für die meisten Haushalte gilt eine einfache Daumenregel: Prepaid, wenn Sie nur wenige Gigabyte pro Monat verbrauchen, kein neues Handy brauchen und maximale Flexibilität schätzen. Ein Vertrag lohnt sich, wenn Ihr Datenbedarf hoch ist oder das subventionierte Handy den Vertrag wirtschaftlich macht.