Handyvertrag ohne Laufzeit: Vorteile und Nachteile

Ein Handyvertrag ohne Laufzeit ist ein Mobilfunktarif, den Sie monatlich kündigen können. Man nennt ihn auch flexiblen Vertrag oder monatlich kündbaren Tarif. Sie zahlen keinen Grundpreis für ein subventioniertes Smartphone, sondern nur für Telefonie, SMS und Daten.

Der Vorteil: Sie bleiben flexibel und wechseln bei einem besseren Angebot sofort. Dafür liegt der Monatsbetrag meist höher als bei Tarifen mit langer Laufzeit.

Was bedeutet "ohne Laufzeit" konkret?

Bei einem klassischen Handyvertrag verpflichten Sie sich für 24 Monate an einen Anbieter. Das Gesetz erlaubt maximal 24 Monate Mindestlaufzeit, danach gilt eine monatliche Kündigungsfrist. Ein Vertrag ohne Laufzeit hat diese anfängliche Bindung nicht. Sie können den Vertrag ab dem ersten Monat kündigen. Die Frist beträgt in der Regel vier Wochen zum Monatsende. Manche Anbieter verlangen eine Kündigungsfrist von einem Monat, andere bieten sogar eine tägliche oder wöchentliche Kündigung an.

Der Unterschied zu Prepaid-Tarifen: Bei Prepaid laden Sie Guthaben im Voraus auf und haben keinen monatlichen Rechnungsbetrag. Ein Vertrag ohne Laufzeit ist ein Postpaid-Vertrag. Sie bezahlen die Leistungen am Monatsende per Rechnung. Sie erhalten also eine monatliche Abrechnung, können aber jederzeit aussteigen.

Vorteile: Flexibilität und Kontrolle

Der wichtigste Vorteil ist, dass Sie den Anbieter wechseln können, sobald sich Ihre Bedürfnisse ändern oder ein günstigeres Angebot auftaucht. Wer nur selten telefoniert oder dessen Datenverbrauch stark schwankt, passt den Tarif leichter an die tatsächliche Nutzung an. Auch bei einem Umzug ins Ausland oder bei finanziellen Engpässen sind Sie nicht an einen teuren Vertrag gebunden.

Ein zweiter Vorteil betrifft Preiserhöhungen. Wenn ein Anbieter die Preise für Bestandskunden anhebt, wie es etwa Vodafone seit Mai 2023 getan hat, können Sie bei einem laufzeitfreien Vertrag schneller reagieren. Die Verbraucherzentralen halten solche Erhöhungen häufig für rechtswidrig und haben Sammelklagen eingereicht. Aber der Ärger und der Aufwand bleiben Ihnen erspart, wenn Sie einfach kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Bei einem Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit sitzen Sie die Erhöhung dagegen aus oder müssen selbst aktiv werden.

Drittens schützt Sie die Flexibilität vor veralteter Technik. Die Mobilfunkanbieter planen die Abschaltung des 2G-Netzes, was ältere Geräte unbrauchbar machen kann. Wer einen Vertrag ohne Laufzeit hat, kann sein Smartphone und seinen Tarif leichter an die neue Netzgeneration anpassen, ohne auf den Ablauf einer langen Vertragsbindung warten zu müssen.

Nachteile: Höhere Preise und fehlende Geräte-Subvention

Der deutlichste Nachteil ist der Preis. Anbieter kalkulieren bei laufzeitfreien Tarifen höhere Monatsbeträge, weil sie das Risiko einer schnellen Kündigung einpreisen. Ein Tarif mit 24 Monaten Laufzeit kostet in der Regel weniger pro Monat als derselbe Tarif ohne Bindung. Über zwei Jahre gerechnet kann das eine erhebliche Ersparnis bedeuten, die Sie mit einem flexiblen Vertrag nicht realisieren.

Hinzu kommt: Bei einem Vertrag ohne Laufzeit gibt es in der Regel kein subventioniertes Smartphone. Der Kaufpreis für ein neues Handy fällt also sofort an. Bei einem langfristigen Vertrag finanzieren Sie das Gerät in Raten mit. Wer regelmäßig ein aktuelles Top-Modell möchte, fährt mit einem 24-Monats-Vertrag inklusive Gerät oft günstiger, sofern er den Vertrag tatsächlich über die volle Laufzeit nutzt.

Ein weiterer Nachteil ist die Versuchung, ständig zu wechseln. Die ständige Verfügbarkeit neuer Angebote verleitet dazu, alle paar Monate den Anbieter zu wechseln. Jeder Wechsel kostet Zeit, birgt das Risiko von Rufnummernportierungs-Problemen und kann zu kurzen Unterbrechungen der Erreichbarkeit führen. Wer seinen Vertrag dauerhaft wechselt, verliert außerdem mögliche Treuevorteile, die manche Anbieter langjährigen Kunden gewähren.

Worauf Sie beim Abschluss achten sollten

Prüfen Sie vor dem Abschluss die Kündigungsfrist genau. Manche Anbieter bezeichnen einen Tarif als "ohne Laufzeit", verlangen aber eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Das hebelt die Flexibilität weitgehend aus. Lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und suchen Sie nach dem Passus zur Kündigungsfrist.

Achten Sie auch auf versteckte Kosten. Manche Tarife ohne Laufzeit haben eine Anschlussgebühr oder verlangen einen monatlichen Aufpreis für die flexiblen Konditionen. Rechnen Sie die Gesamtkosten über zwölf Monate aus und vergleichen Sie sie mit einem Tarif mit 24 Monaten Laufzeit, inklusive des Preises für ein eventuell benötigtes Smartphone.

Vorsicht bei sogenannten Treueangeboten. Anbieter locken Bestandskunden mit vermeintlich vergünstigten Angeboten. In Wirklichkeit beinhalten sie eine Vertragsverlängerung oder einen teureren Tarif. Wenn Sie einen Vertrag ohne Laufzeit haben und ein solches Angebot erhalten, prüfen Sie, ob es wirklich günstiger ist und ob Sie sich damit wieder an eine Laufzeit binden. Im Zweifel lehnen Sie ab und vergleichen selbst.

Prüfen Sie außerdem die vereinbarte Internetgeschwindigkeit. Verbraucher haben Anspruch auf mindestens 15 Mbit/s im Download und 5 Mbit/s im Upload. Wird diese Geschwindigkeit nicht erreicht, haben Sie ein Recht auf Preisminderung oder eine außerordentliche Kündigung. Bei einem Vertrag ohne Laufzeit ist dieses Recht weniger wichtig, weil Sie ohnehin jederzeit kündigen können. Es hilft aber, wenn Sie eine Preisminderung für bereits bezahlte Monate fordern möchten.

Für wen sich ein Vertrag ohne Laufzeit lohnt

Ein flexibler Vertrag passt zu Menschen, die ihren Datenverbrauch nicht langfristig planen können oder wollen. Dazu gehören Studierende, Berufseinsteiger, Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen oder alle, die häufig ins Ausland reisen und dort nur zeitweise einen deutschen Tarif benötigen. Auch wer ein günstiges Smartphone besitzt und es lange nutzen möchte, profitiert von der Flexibilität, weil er kein neues Gerät über den Vertrag mitfinanzieren muss.

Weniger geeignet ist ein Vertrag ohne Laufzeit für alle, die ein aktuelles High-End-Smartphone möchten und bereit sind, sich dafür zwei Jahre zu binden. In diesem Fall ist ein Tarif mit 24 Monaten Laufzeit und Geräte-Subvention in der Regel günstiger. Auch wer seinen Anbieter selten wechselt und mit den Konditionen zufrieden ist, zahlt für die Flexibilität unnötig drauf.